4K-Skills und was diese für eine Berufsschule bedeuten können

Das 4K-Modell (kurz 4K, englisch Four Cs oder 4Cs) formuliert Kompetenzen, die für Lernende im 21. Jahrhundert von herausragender Bedeutung sind: Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken. (Wikipedia)

Das 4K-Modell basiert auf Partnership for 21st Century Learning (P21). Dabei stellen «Communication, Collaboration, Creativity und Critical Thinking» die vier wichtigsten Cs dar und werden den «learning and innovation skills» zugeordnet. Im Buch «Die vier Dimensionen der Bildung» (übersetzt von Jöran Muuss-Merholz) werden diese vier K so beschrieben, dass Wissen und die genannten vier Skills nur gemeinsam gedacht werden können. Das (passive) Wissen kann nur mit (aktiver) Beteilung der 4K zu auf neue Situationen übertragbarem Können geführt werden, also zu Kompetenzen erweitert werden. Wer lernt, in dem er Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken kombiniert, erwirbt ein wichtiges und notwendige Rüstzeug für die Zukunft. 

Das 4K-Modell des Lernens ist im deutschsprachigen Raum durch Andreas Schleicher, Direktor für Bildung bei der OECD, bekannt geworden. 

Die vier Dimensionen der Bildung
KreativitätKritisches DenkenKommuni-
kation
Kollaboration
Neues denken könnenSelbst denken könnenMit Anderen zusammen denken könnenEigenes Denken (mit)-teilen können
Neues lernen könnenSelbst lernen könnenMit Anderen zusammen lernen könnenEigenes Lernen (mit)-teilen können
Neues tun und anwenden könnenSelbst tun und anwenden könnenMit Anderen zusammen etwas Tun und Anwenden könnenEigenes Tun und Anwenden (mit)-teilen können

vgl. dazu www.joeran.de

Was bedeuten die 4K nun für das Lernen an der Berufsfachschule?

Die 4K sind sicher kein didaktisches Modell, sondern meiner Ansicht nach einfach unverzichtbare Dimensionen von Lernen (oder meinetwegen aus Lehrersicht wichtige „Lernziele“, die wir mit unseren Lernenden zu erreichen versuchen sollten). Wenn man die Bestandteile von Kompetenzen als Wissen+Können+Wollen definiert, müssen die 4K in kompetenzorientiertem Unterricht sowieso enthalten sein. Der Unterricht muss sich also diesen Dimensionen oder Zielsetzungen anpassen, indem geeignete Formen gesucht und Lernumgebungen geschaffen werden.

Kreativität
Zu meinen Anfangszeiten als Lehrer meinte ich, Kreativität sei etwas, das mit Kunst und Gestalten zu tun habe. Kreativität war demnach für Handarbeitslehrerinnen, Zeichnungslehrer und meinetwegen noch für Musiklehrerinnen unabdingbar;-) Nun – heute hat sich mein Bild von „kreativ“ zum Glück verändert. Kreativ sein heisst (auch), etwas neu, in einem anderen Zusammenhang zu sehen oder auch etwas divergent zu betrachten und neue Ideen zu generieren. Kreativität hat auch viel mit Spiel und Humor zu tun.
Auf die Berufsfachschule übertragen heisst das, dass offene Aufgabenstellungen von den Lernenden eine grössere Kreativität erfordern als gelenkter Unterricht (hier ist die Kreativität der Schüler natürlich auch vorhanden und sei es nur, die Zeit im Unterricht mit kreativen Nebenbeschäftigungen totzuschlagen). Für mich ist Lernen an (Unterrichts)-Projekten eine zentrale Form, um kreative Lernergebnisse zu fördern. Ein Projekt vollständig (d.h. von der Planung – Realisierung bis zur Rückmeldung) durchzuführen, fördert selbstständiges und innovatives Denken und Lernen. An Berufsschulen lassen sich Projekte sehr gut realisieren, weil sie mit berufskundlichen oder gesellschaftlichen Themen in Verbindung gebracht werden. Projektlernen ist eine Form, die aus passivem Wissenserwerb aktives Tun und Anwenden ermöglicht und so kompetentes Lernen zulässt.

Kritisches Denken
Lernen kritisch zu denken, kann ich nicht, wenn die Resultate und Lösungen bereits vorher von der Lehrperson festgelegt sind. Wenn vom Lehrer systematisierter Unterricht mit Hilfe von detailliert ausgearbeiteten Dossiers oder mit Hilfe von Lehrmitteln abgearbeitet wird, liegen die Ergebnisse schon vorher vor und fördern nicht kritisches Denken. Ich finde es wichtig, dass Lernende an den eigenen Fragen problemorientiert arbeiten können und selber ein Lernprodukt gestalten können. Selber Fragen stellen und diesen nachgehen, selber planen, selber erarbeiten, eingrenzen, evaluieren, selber präsentieren und Erfahrungen sammeln, fördert kritisches Denken. 
Kritisches Denken ist eng verquickt mit der Fähigkeit zu reflektieren, da beide sich ergänzen und unterstützen. Kritisches Denken heisst auch analysieren und bedeutet ebenso hinterfragen und überprüfen. Und als Lehrerin kann ich versuchen, mein eigenes Lernen und das von Lernenden mittels Reflexionen beobachtbar zu machen. 
An Berufsschulen ist der reine Fächerunterricht seit längerer Zeit verschwunden, Themenblöcke über mehrere Lektionen sind möglich. Und genau dieser Bezug zu zu beruflichen oder gesellschaftlichen Praxiserfahrungen der Lernenden lässt es zu, selber darüber zu denken, zu lernen und zu tun. Echte Erfahrungen an einer herausfordernden Realität fördern kritisches Denken.

Kommunikation
Im traditionellen Unterricht läuft Kommunikation oft einseitig ab: Der Lehrer fragt, die Lernenden antworten mündlich oder schreiben ihre Antworten auf. 
Dabei hat Kommunikation im Kontext der Digitalisierung eine riesige und vielfältige Änderung erfahren und ist zu einer der wichtigen Kompetenzen geworden. Kommunikation ist in allen sozialen Medien sehr präsent und da ist Kommunikation nicht mehr bloss einseitig, denn jede Person kann eine Aussage liken, Feedback geben, kommentieren, weiterleiten etc. Die Kommunikation erhält plötzlich eine viel grössere Bühne. Und damit wird im digitalen Zeitalter die Fähigkeit umso wichtiger, mit Anderen authentisch und aktiv in Beziehung zu treten und zusammen zu kommunizieren.
Für fast alle Berufe gehört eine reflektierte Kommunikation zur Basiskompetenz. Dies schlägt sich auch in den jeweiligen Bildungsplänen nieder. Digitale Medien erleichtern das bewusste Einüben kommunikativer Fähigkeiten. Beispielsweise können Lernende Ergebnisse zu ihren Fragen oder Resultate von Projekten in einem Blog präsentieren. Sie erreichen damit eine grosse Öffentlichkeit (auch ausserhalb der Schule). Diese kann kommentieren oder nachfragen. Damit erhalten Beiträge eine Relevanz, die weit über abgeheftete Papiere im Ordner hinaus gehen kann. Zusammen mit und für Andere denken und tun, fördert (und bedingt) Kommunikation.

Kollaboration
In einer zunehmend komplexer werdenden Welt, trägt die Zusammenarbeit von Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Hintergründen und Perspektiven dazu bei, vielschichtige Probleme gemeinsam zu lösen. Zusammen auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten und eigene Erfahrungen und Kompetenzen mit anderen zu teilen, führt zu guten Lernergebnissen. Die digitale Welt hat die Möglichkeiten und Varianten von Zusammenarbeit unglaublich erhöht. Lernende, die vernetzt und zu Kollaboration bereit sind, erweitern ihre Lernmöglichkeiten um ein Vielfaches. 
Beispielsweise gemeinsam an einen digitalen Text (an digitalen Pinnwänden wie Linoit, Padlet oder Googledocs und Zumpad…) zu arbeiten, ist eine wirksame Lernmöglichkeit. Und wenn Lernende gemeinsam an Fragen und Projekten arbeiten und teilen können, ist dies für die Beteiligten sehr motivierend.

Die 4K gezeichnet von der Frau mit dem Dromedar

Und zum Schluss noch eine Zukunftsperspektive: Ich kann mir vorstellen, dass Formen wie ein persönlicher Blog künftig für jeden Lernenden (sei es Lehrpersonen oder Berufslernende!) ganz „normal“ und üblich werden. Dieser Blog bildet quasi das «Home» des persönlichen Lernnetzwerks und begleitet das schulische und ausserschulische Lernen. Der Blog ist offen (im Gegensatz etwa zu einem geschlossenen Lernmanagementsystem) und erlaubt Kollaboration mit Menschen innerhalb und ausserhalb der Schule und kann so über die Berufsschulzeit hinaus genutzt und weiter entwickelt werden.

Weitere Informationen:
Interview mit Prof. Andreas Schleicher (OECD) „Schule ist kein Raum, sondern eine Aktivität“


Beitragsbild diefraumitdemdromedar.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s